Thomas Elmar Cartier

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Gedichte

 


Ich hebe den Blick      Ich singe ein Lied      In der Sonne      Wintertag       Sommerwind



Ich hebe den Blick


Ich hebe den Blick

und schau über die Weiden,

ich seh ins Unendliche,

ein Vogel zeigt mir eine Richtung,

der Vogel bist Du.


Ich gehe zum Bach,

tauch meine Hand ins kristalline Wasser

und erfahre die unendliche Klarheit.

In dem Bach ist ein Fisch,

und der Fisch bist Du.


Ich umarme den Baum,

die Natur umgibt mich,

eine Brise bringt mir ihren Duft,

und der Duft bist Du.


Ich strecke die Hand aus

und erfasse ein Nest,

verwoben zu einer Welt,

und die Welt bist Du.


Ich bebe Dir zu,

manchmal weinst Du,

ein Vulkan bricht in mir aus,

doch ich weiß, eine Welt schwankt,

ich fange Dich auf,

Gott wird Dich lenken.


Ich komme nach Haus,

und wechsle meine Kleidung,

meine Kleidung bist Du.


Ich erzähle den Kindern,

und den Weisen in der Runde,

meine Geschichte bist Du.


Sie möchte mir glauben,

Sie möchte die Worte zum Leben bewegen,

Sie möchte die Wurzel der Wonne erspüren,

Sie möchte den Stein in Ihre Hände halten,

der Ihr Herz berührt,

und dann das Lied der Erde singen.


Ich möchte, dass Sie in die Höhle der Mutter Erde steigt,

Ich möchte, dass Sie die Weisheit der Stalagmiten spürt,

Ich möchte, dass Sie weiß, dass nichts stärker ist,

als die sanfte Brise, die jedes Herz berührt.

Weil dann Dämme brechen, weil dann Stürme weichen.


Sie weiß es, eine Taube wiegt Ihre Seele,

Sie, das bist Du.



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Ich singe ein Lied


Ich singe ein Lied,

ein Lied ganz aus Licht.

Sie ist wie eine Rose,

und trägt den Namen der Eintracht,

sie schwebt in den Lüften,

ihre Hand ist wie Schmuck,

ihre Augen wie helle Kastanien;

ich verdunste

und werde zu einer Wolke,

sie gesellt sich mir zu,

und ich singe eine Lied,

ein Lied ganz aus Licht,

und sie singt mit.



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In der Sonne


In der Sonne, in der Sonne möchte ich gehen.

Bei den Vögeln, bei den Vögeln sinnen.

Bei den Wespen, Bienen singen.

Bei den Spinnen denken.

Meiner Seele Dunkel besingen,

in Wort und Tat,

die ich trage und sie trägt mich.

Stolz wie Mutter Erde auf Ihre Kinder,

trage ich des Reiches inne.

Ich schließe die Augen

und seh diesen Baum.

Wo kommt er her?

In meinem Kopfe ist er nicht.

Er steht abseits im Geiste.

Öffne ich die Augen

ist er nicht da.

Ein Raum im Raume,

und schon wird aus drei sechs.

Und wir sind auf der sieben.

Draußen fliegt ein Schmetterling,

behutsam, sanft,

wie eine Feder,

stärker als das Feuer.

Nur der Wind, der Wind, der Wind,

streichelt eines jeden Herz.

Wehe wenn du ihn nicht ehrst,

denn er könnte dich bezwingen.



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Wintertag


Glasklar,

Kristalle,

ob sie klirren,

das Licht uns wiederspiegelnd;

ganz rein,

für uns das Beste zeigend:

Licht und Formenmosaiken.


Der Wind,

ganz leis,

dein Seelenhauch,

wie warmer Geigenklang umspielend,

bringt er die Gläser hier zum Klirren;

wie's Licht sollen hier

auch Laute sein.


Das Gelb,

du zeigst es uns, -Natur,

mal hier, mal dort,

umbettet vom weißblauen Hort,

weint uns wie Honig an,

von Glück berührt,

sprachlos, nur bebend,

das Sonnenlicht,

deines Herzens

Freudenkleid.


Und kommt

vom Nest ein Wintervogel,

stibitzt uns rasch

Aufmerksamkeit,

so ist's ein Blinzeln

deiner Seele:

die Zuversicht

im dicken Einheitskleid.


Hast starr gemacht das Kleine?

Offenbar uns, sprich!

Nein, 's ist nur gefest'gter Wille

geformt im Keim

der jedem Schwunge innewohnt.

Er führt zur Klarheit, fein,

wo kein Falsch liegt vergraben.


Sei fest, wie diese Körner Schnee,

in jenem Brot,

das diesen Seelenreim nun sinnt:

dem Schwur

sich Selbst nur

treu zu bleiben.

Ja, die Samen,

die Gott in uns legte,

binden!

Dass sie wachsen,

im Weltenlied einklingen,

- mit einzustimmen!


Und hebt sich manchmal sanft

wie Puder,

durch deinen Atem

so launisch, kess, hinauf,

schmückt's den Nachbarn

auf den Lidern,

den Schmuck des Winters.


Jetzt erst erfühl ich

meine Wärme,

tief in mir

deine Lava

hoch zu bilden;

dein Streben,

schöner Tag,

durch meine Glieder.


So klein bin ich

in der Natur,

ihr Kampf scheint hier so mild

und wohlerklingend;

hier will ich bleiben,

mich imprägnieren

von ihrer Sprache,

den Manieren;

will hüpfen, springen,

das Eine preisgebend

der Erde,

das Andere flüsternd

der Liebe.


Bin endlich da,

wovon die Weisen sprachen,

brauch sie nun nicht mehr zu erfinden,

kann sie jetzt in mir tragen, - fest,

der Schöpfung Liebe.


 

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Sommerwind


Und wenn mich der Sommerwind umringt

und seine Wärme meine Seele ergreift,

fallen die Sterne vom Himmel

und fließen ein in seinem Wirbel,

neigen sich die Bäume vor dem,

was er an Kraft mit sich zieht.

Der Sommerwind,

das ist Dein Atem.


Und wenn der Vogelschwarm sich erhebt,

der Ruf von jedem einzelnen unter ihnen

in der Ferne ruft, diese Ferne, die kein Augenlicht erblickt,

so weit reicht sie am Horizont,

kann nur das Gluckern eines Baches,

so idyllisch und rein in seinem Klang,

sich akustisch um ihn schlingen,

dass er sich in Harmonie erhebt

zum hohen Gestirn, in seiner Fülle.

Der Ruf und sein Echo,

das ist Deine Stimme.


Die hochgezogenen, sanften Äste,

so ordentlich in Reih' und Glied,

dem Blättchen ihre Obhut gewährend,

sind wie der Kamm der Natur,

der, der ausgeglichenen Ruhe des Mondes gerecht,

die Gewächse der Erde ihm nahe bringt und kämmt,

sie sind

Deine Geduld.


Und wenn die Sonne den Früchten jeder Art

das Licht nun spendet, damit sie wohlbeschienen

den Zucker, der allen Wohlbehagen bringt, nun bilden,

weiß ich, dass dies

das Glück ist, in Dir,

das jeder Seele am Herzen liegt.


So geh ich ein, an jedem Tag,

und bewundere dies Schauspiel

und Deine Gedanken, die die Wolken mit sich tragen,

und auch meinen Wolken zu wissen geben,

damit alles zueinander reicht und fließt,

an jedem Ort, auf jedem Weg,

und der Puls der ganzen Erde

von überall beständig schlägt.


 

Alle Gedichte © Thomas Elmar Cartier

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